52 Games: Kaelte
Meine Faszination für Videospiele enthielt eine große Pause. Im Ausklang der 90er zählte ich zu den glücklichen Kindern, die sich ein Zimmer mit ihrem großen Bruder teilen mussten durften, was zwar unheimlich viele Nachteile mit sich brachte, aber es mir erlaubte schon in jungen Jahren einen zimmereigenen Fernseher mein Eigen nennen zu dürfen, den mein Bruder in seinem pubertären Leichtsinn aufgegeben hatte. Als dann die Playstation und eine umfangreiche Bibliothek artig gebrannter Spiele den Einzug in unser Haus fanden, dominierte ein Spiel das Ende meiner Grundschulzeit wie kein Anderes: Metal Gear Solid.
Die packende (und übertriebene), eindeutig vom Kalten Krieg und Escape From New York inspirierte Geschichte, die skurrilen Charaktere, die unzähligen Anspielungen auf Subkulturen und Filme und die Twists ließen mich… kalt. Mit meinen jungen 9 Lenzen konnte ich weder Englisch, noch zeigten Bilder von Tonnen voller Atommüll oder die Möglichkeit eines nuklearen Krieges Wirkung auf mich. Alles was für mich zählte war die Möglichkeit die Wachen auf möglichst einfallsreiche Weise um die Ecke zu bringen und den Bossen zu zeigen wo der Frosch seine Locken hat (oder wo der Controller eingesteckt ist…), um dann mit dem Stealth-Anzug noch mehr Unsinn und “cooles Zeug” anstellen zu können! Snake war ne coole Sau (sogar so cool, dass ein Hampelmann aus der Grundschule seine Farben UND C4 trug, was ein im Gedächtnis gebliebenes Gespräch zwischen meiner Mutter und meiner Lehrerin zur Folge hatte), Meryl nur n olles Mädchen (und der Rettung mit daraus folgendem Verzicht auf den Stealth-Anzug nicht würdig) und Otacon ne Lusche, weil er sich in die Hose macht!
Die anfangs erwähnte Pause setzte bald danach ein. Fast eine komplette Konsolengeneration habe ich übersprungen, Pubertät und weiterführende Schule ließen mich den Blick auf Videospiele verlieren und ihr großes Comeback sollten sie erst wieder mit Half Life 2 feiern. Seitdem habe ich Metal Gear Solid öfter nochmal durchgespielt und es ist echt erstaunlich wie gut Bosstaktiken und Raumarchitektur im Gedächtnis bleiben, während die nötigen Spielfähigkeiten völlig verloren gingen.
Was ich aber nie vergessen habe, war die geniale und angenehm kurze Backtracking-Sequenz, in der man die Schlüsselkarte zur Deaktivierung der Sprengköpfe an Metal Gear in 3 Temperaturzustände bringen musste. Abgesehen davon, dass Wachen und Snake selbst Schnupfen bekommen können, ändert sich nämlich auch der Zustand der Karte, wenn man sich lange genug in kalten Regionen (idealerweise der Boss-Area von Raven) aufhält. Womit ein Bezug zum Thema wiederhergestellt wäre!

Informationen zu 52 Games gibts wie immer hier.